Aktuelle Finanzierungssituation der Unternehmen

Eine Sonderauswertung des DIHK zur Finanzierungssituation von Unternehmen zeigt, dass sich die Finanzlage von Unternehmen nur sehr langsam erholt.

Insgesamt haben sich mehr als 27.000 Unternehmen aus allen Branchen und Größenklassen an der Umfrage beteiligt. Hervorzuheben ist, dass 43 % der beteiligten Unternehmen ihre Finanzierungssituation noch immer als problematisch beurteilen. Im Detail bilden Eigenkapitalrückgänge und Liquiditätsengpässe die größte Herausforderung. Aus Sicht der Beratung bilden diese die logische Konsequenz der zurückliegenden Entwicklung. Viele Unternehmen leiden pandemiebedingt unter erheblichen Ertragseinbußen, bzw. erwirtschaften Verluste, die in Konsequenz das Eigenkapital aufzehren. Damit einhergehend entstehen Liquiditätsabflüsse, die die Liquiditätssituation belasten. Zuschüsse und Förderfinanzierungen tragen zur Entspannung bei, können jedoch häufig die Ausfälle nur teilweise kompensieren.

Abhängig von der Branche und der Unternehmensgröße gibt es unterschiedliche Ausprägungen. Besonders zäh verläuft es für Kleinunternehmen mit weniger als 19 Mitarbeitern. Hierfür wird die Größenstruktur der besonders von Corona betroffenen Branchen genannt. Aber auch bei Unternehmen mit mehr als 200 Mitarbeitern melden noch 1/3 der Unternehmen Finanzierungsprobleme.

Top 3 die genannt wurden:

  • 24 % Eigenkapitalrückgang
  • 19 % Liquiditätsengpässe
  • 10 % zunehmende Forderungsausfälle

Die größten Herausforderungen bilden dabei der Eigenkapitalrückgang und Liquiditätsengpässe. Die Beurteilung und Bewertung der Finanzierungssituation werden im Wesentlichen davon beeinflusst, in welchem Umfang die Geschäftstätigkeit von den Corona-Maßnahmen beeinträchtigt wurde. 50 % der Dienstleister und 42 % der Handelsunternehmen verzeichnen Finanzierungsprobleme. Obwohl Unternehmen in Industrie- und Bau weniger von Corona betroffen sind, vermelden 32%, bzw. 29 % der befragten Unternehmen Finanzierungsprobleme.

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Besondere Herausforderung – wie geht es nach der Pandemie weiter?

Wiederanlauf des Geschäfts und Vorfinanzierung von neuen Umsätzen und Wachstum.

Die angespannte Finanzierungssituation erschwert vielen Unternehmen eine Rückkehr zur Normalität. Dabei sind selbst die kurzfristigen Möglichkeiten, die für den Neustart notwendigen Betriebsmittel und Vorräte zu finanzieren, eingeschränkt. In der eher mittelfristigen Perspektive erschweren die Herausforderungen der Eigen- und Fremdkapitalfinanzierung die Investitionsmöglichkeiten – und damit die Finanzierung eines nachhaltigen Wirtschaftsaufschwungs.

Der Eigenkapitalrückgang führt dazu, dass die Hälfte der Unternehmen ihre Investitionspläne kürzen müssen. Selbst bei den Unternehmen die mehr investieren wollen, berichten 17 % von Eigenkapitalrückgängen. Darüber hinaus berichten 45 % der Unternehmen, die weniger investieren wollen von einem erschwerten Fremdkapitalzugang, verglichen mit den 24% der Betriebe, die bei höheren Investitionsabsichten von Hürden bei der Erlangung neuer Kredite berichten.

Fehlendes Eigenkapital ist nicht nur eine Herausforderung an sich, sondern beeinträchtigt auch die Fähigkeit der Aufnahme von Fremdkapital und führt zu einem höheren Fremdkapitalanteil, was wiederum das Unternehmensrating verschlechtert.

Das zeigt auch ein Blick auf die Detailprobleme bei der Fremdkapitalbeschaffung. Die größte Herausforderung besteht dabei in der Stellung des eigenen Finanzierungsanteils. Bei 61% der Unternehmen, die von einem Eigenkapitalrückgang berichten, ist der eigene Finanzierungsanteil ein Problem. Die Hälfte der Betriebe mit Eigenkapitalrückgang bewerten die Bereitstellung von Sicherheiten als große Herausforderung. Für die Unternehmen, die ihre Finanzierungssituation als unproblematisch einschätzen, spielen bei der Fremdkapitalbeschaffung dagegen die Dokumentationspflichten (23%) und die Zinshöhe (16%) eine Rolle.

Bei der Fremdkapitalfinanzierung stehen die Unternehmen größenabhängig vor weiteren, unterschiedlichen Herausforderungen. Bei den kleinen Unternehmen mit bis zu 19 Beschäftigten sehen 43 % die Finanzierung ihrer Geschäfte durch Probleme gefährdet, den eigenen Finanzierungsanteil aufzubringen. Für ein Fünftel der mittleren Unternehmen (20 bis 199 Beschäftige) ist die größte Herausforderung bei der Fremdfinanzierung die Beschaffung der zu stellenden Sicherheiten.

Abschließend ein Blick in die Branchen

Nachdem im fortgesetzten Lockdown weitere Einschränkungen bestehen, ergibt sich, abhängig vom Wirtschaftszweig eine differenzierte Finanzlange. Dienstleister und Handelsunternehmen berichten im Vergleich zu Industrie- und Bauunternehmen von einer herausfordernden Finanzierungssituation. Von besonders kritischen Problemen berichten Dienstleistungsunternehmen, die fortgesetzt ganz oder teilweise geschlossen sind, bzw. bis vor kurzem noch waren. Hier berichten 70 bis 90 % der Unternehmen von Problemen.

 

  • ein Viertel der Reisevermittler sehen sich von einer Insolvenz bedroht und ca. zwei Drittel berichten von einem Eigenkapitalrückgang
  • 20 % der Gastronomie, der Beherbergungsbetriebe und der in der Freizeitwirtschaft aktiven Unternehmen droht nach eigener Aussage die Insolvenz
  • Zwei Drittel der Unternehmen im Gastgewerbe beklagen Eigenkapitalrückgänge, in der Freizeitwirtschaft jedes Zweite.

Obwohl in der Industrie die Beurteilung und die Erwartungen der Lage im Vergleich zu Dienstleistern und Handel deutlich optimistischer ausfällt, bewerten noch immer ein Drittel der Industriebetriebe ihre Finanzlage als problematisch. 16 % berichten von schrumpfendem Eigenkapital und 13 % von Liquiditätsengpässen.

Dies behindert die (Vor-) Finanzierung der Produktion und wirkt negativ auf die Investitionspläne der Industrie. Selbst das Vierteil der Industrieunternehmen, die ihre Investitionsplanung erhöht haben, sind mit einer herausfordernden Finanzlage konfrontiert. Die größten Hürden bilden hier die bestehende, hohe Fremdkapitalbelastung (30 %) und der Fremdkapitalzugang an sich (27 %). Dies und die stark ansteigenden Energie- und Rohstoffkosten könnten sich belastend auf einen wirtschaftlichen Aufschwung auswirken.

Alle Ergebnisse der Sonderauswertung Finanzierung zur DIHK-Konjunkturumfrage Frühsommer 2021gibt es hier zum Download

Ergänzung:

Die KfW berichtet in ihrer Pressemitteilung v. 29.06.2021, dass sich der Abwärtstrend am Unternehmenskreditmarkt vertieft. Im 1. Quartal 2021 ergibt sich ein Rückgang um 6,5 % gegenüber dem 1. Quartal 2020. Dieser Rückgang ist überzeichnet, da im 1. Quartal 2020 pandemiebedingt, eine besonders hohe Kreditvergabe erfolgte. Der resultierende Effekt dürfte bei ca. 1/3 des Rückgangs liegen. Für das 2. Quartal 2021 erwartet KfW Research einen Rückgang des Kreditneugeschäfts um 9 %.

Zusammenfassung:

Die von beiden Institutionen berichtete Entwicklung der bankenseitigen Unternehmensfinanzierung bestätigt die Ergebnisse der Bankenbefragung des Bundesverbands der KMU-Berater vom Januar 2021.

Empfehlungen für KMU-Unternehmen zur Erleichterung der Bankenkommunikation als wichtige Voraussetzung zur Verbesserung der Unternehmensfinanzierung:

Kritische Überprüfung des Geschäftsmodells und sofern erforderlich, kurzfristige Anpassung an die neuen Gegebenheiten und Ausrichtung des Unternehmens an das veränderte Geschäftsmodell

  • Sofern noch nicht initiiert, kritische Überprüfung der digitalen Reife des Unternehmens und ergebnisabhängig, Entwicklung und Umsetzung einer Digitalisierungsstrategie
  • Erstellung einer qualifizierten Finanzplanung durch eine integrierte Unternehmensplanung
  • Aufbau eines Risikofrüherkennungssystems

 

Quellen: DIHK Konjunkturumfrage Sonderauswertung Unternehmensfinanzierung im Frühsommer 2021

 

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