Rating und Bankenumfrage 2021

Erläuterungen zu den Ergebnissen einer Bankenbefragung im Januar 2021

Ergebnisse der Bankenumfrage:

Rating: Banken erwarten ein deutlich schlechteres Rating für Unternehmenskreditkunden

Die Corona-Pandemie wird das Kredit-Rating von Unternehmen nach dem Jahresabschluss 2020 signifikant verschlechtern. Zu dieser Einschätzung kommen 86 Prozent der Teilnehmer einer Umfrage des Bundesverbands „Die KMU-Berater“ unter deutschen Kreditinstituten.

Die befragten Banken rechnen auch damit, dass der Jahresabschluss 2020 Verluste aufdeckt, die das Eigenkapital reduzieren und sich nachteilig auf die künftige Kapitaldienstfähigkeit auswirken.

Ein besonderes Augenmerk legen die Kreditinstitute darauf, ob Unternehmen pandemiebedingte Verluste mit Liquiditätshilfen der Bundesregierung refinanziert haben, die mittelfristig zurückgezahlt werden müssen. Abhängig von der Höhe der Verluste kann auch eine Restrukturierung des Unternehmens erforderlich sein.

Jahresabschluss 2020: Ein „wichtiger Faktor für das Rating“

Deshalb werden sich Kreditinstitute die Bilanzen der Unternehmen genau ansehen, ob die betreffenden Unternehmen ggf. noch zur Restrukturierung in der Lage sind. Deshalb ist es für Unternehmen mit Bankkrediten dringend ratsam, die wirtschaftliche Situation nüchtern und selbstkritisch zu bewerten und falls erforderlich, Konzepte zu entwickeln und umzusetzen, die die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens sichern.

Dies ist eine wesentliche Voraussetzung für kleine und mittelgroßen Unternehmen noch rechtzeitig die Auswirkungen der Pandemie zu bewältigen. Der Jahresabschluss ist ein wesentliches Instrument, das Fehlentwicklungen aufzeigt und deshalb die Grundlage bildet, zielgenau gegen zu steuern und Kreditgebern die geforderten aktuellen Informationen liefern kann.

Dabei kommt dem Jahresabschluss 2020 eine entscheidende Bedeutung zu. Die Frage, wie wichtig er für kommende Kreditentscheidungen mit Blick auf die Corona-Auswirkungen ist, beantworten 76,1 Prozent der Umfrageteilnehmer mit „wichtig“ oder sogar „unabdingbar/zwingend“.

Für Unternehmen heißt das: Sie müssen den Jahresabschluss 2020 so schnell wie möglich, idealerweise noch im April diesen Jahres erstellen. Es ist zu erwarten, dass die Steuerkanzleien einen Engpass bilden können, da diese derzeit mit Antragstellungen für Corona-Hilfen ohnehin stark gefordert sind und zahlreiche Unternehmen den Jahresabschluss für 2019 noch nicht erstellt haben.

Die Finanzverwaltung hat die Frist zur Einreichung der Steuererklärungen von Ende Februar bis 30. August 2021 zwar verlängert. Wer jedoch hier Klarheit haben möchte und ein vertrauensvolles Verhältnis zu den Hausbanken erhalten will, muss jetzt handeln.

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Risikopolitik: Banken verschärfen ihre Risikopolitik abhängig vom Rating

Auf die Frage, wie die Banken auf schlechtere Ratings reagieren würden, antworteten 83,2 Prozent mit höheren Anforderungen an das Reporting, 72,6 Prozent mit Nachbesicherung bestehender Engagements, 67,3 Prozent mit Preiserhöhungen und 55,8 Prozent damit, keine neuen Kredite zu vergeben. Eine Mehrfachauswahl war möglich.

Auf diese verschärfte Risikopolitik müssen sich kleine und mittlere Unternehmen jetzt einstellen.

Folgende Schritte sind zu empfehlen:

  • Kommunikation mit der Hausbank aktiv angehen. Hohes Augenmerk auf Professionalität im Umgang mit der Bank richten.
  • Betriebswirtschaftliche Unterlagen rasch und aussagekräftig erstellen. Am besten in Form einer „qualifizierten“ Betriebswirtschaftlichen Auswertung (BWA) auf Basis eines funktionierenden Rechnungswesens.
  • Frühwarnsystem installieren durch Einsatz von Controlling-Instrumenten (z.B. Ertrags- und Liquiditätsplanungen), um Risiken früh zu erkennen und gegensteuern zu können.
  • Das eigene Geschäftsmodell kritisch auf seine Zukunftsfähigkeit überprüfen und ggf. konkrete Maßnahmen zu seiner Weiterentwicklung ergreifen.

Frühwarnsystem: Banken legen Wert auf Frühwarnsystem im Unternehmen

Auf die Frage, wie wichtig ein Frühwarnsystem im Unternehmen ist, haben 96,5 Prozent die Antwort „relativ wichtig“, „wichtig“ oder „äußerst wichtig“ gegeben. Leider haben etliche KMUs kein Frühwarnsystem, oft noch nicht einmal Ansätze. Dabei ist es für jedes Unternehmen überlebenswichtig, aussagekräftige betriebswirtschaftliche Auswertungen rasch erstellen zu können. Erst recht in Krisenzeiten.

Denn oft stimme die Selbsteinschätzung der eigenen wirtschaftlichen Situation nicht mit der harten Realität überein. Zu viele Mittelständler verlassen sich auf ihr Gefühl oder ihren Steuerberater. Sie wissen nicht, anhand welcher Krisensymptome man eine heraufziehende Unternehmenskrise erkennt.

Sanierungsprofis wie wir, werden häufig erst dann gerufen, wenn es bereits lichterloh brennt. Dazu muss es nicht kommen. Wir haben ein Muster-Frühwarnsystem entwickelt, das auch krisenunerfahrenen Inhabern schnell aufzeigt, ob und wie stark ihr Unternehmen gefährdet ist.

Berater: Banken begrüßen, wenn Unternehmen sich qualifizierte Berater zur Seite holen

63,7 Prozent der Befragten sind der Meinung, dass die Einschaltung eines Unternehmensberaters die Kreditentscheidung im Einzelfall beeinflusst. 40,7 Prozent beurteilen es generell positiv, wenn das Unternehmen mit einem Unternehmensberater zusammenarbeitet. Allerdings legen die Banken dabei Wert auf Beratungserfahrung, betriebswirtschaftliches Know-how und Branchenexpertise.

Informationen zur Umfrage der KMU-Berater

Die Online-Umfrage „Kreditentscheidung und Corona-Pandemie“ hatte zum Ziel, Anhaltspunkte zu gewinnen für aktuelle und künftige Anforderungen bei Gesprächen von kleinen und mittleren Unternehmen mit Kreditinstituten. Der Fokus lag auf einem etwaig veränderten Kreditentscheidungsverhalten der Banken im Zuge der Corona-Pandemie.

Die Umfrage mit 16 Fragen wurde online durchgeführt zwischen dem 18. und dem 29. Januar 2021. Zur Teilnahme aufgefordert wurden 834 persönlich ausgewählte Bankkontakte aus dem Firmenkundengeschäft. Davon haben 113 an der Umfrage teilgenommen (31,9 Prozent Vertreter von Sparkassen; 46,9 Prozent Genossenschaftsbanken; 21,2 Prozent Privatbanken). Zu 67,3 Prozent waren es Kundenberater (Markt), zu 32,7 Prozent Kreditrisikomanager (Marktfolge).

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